Theater 1986 - Der gute Ruf
Theaterstück: Der gute Ruf
von Franz Rieder
Der ehrliche Waldaufseher Michl Schnaufer begeht aus Liebe zu seiner Frau, ohne dass sie es weiß, den größten Fehler seines Lebens und noch dazu am Tage seines 40. Dienstjubiläums. Im frühen Morgengrauen schleicht er zum Bach des Grafen, um eine Forelle zu fangen, weil seine Frau Appetit darauf hat. Doch leider ist ihm das Glück nicht gewogen und er wird vom Förster, dem Verehrer seiner Tochter, unerkannt angeschossen. Mit einer Fünfer-Ladung Schrot im weichen Hinterteil muss er flüchten und seine Schuhe zurücklassen, die dann der Förster beschlagnahmt. Voll Angst, Aufregung und Schmerz steht er nun vor seiner Frau und findet keine Worte. "Seferl, mei Hos' ist voll" sind seine ersten Worte, die er zunächst stammelt. Seine gestrenge Frau missversteht den peinlichen Vorfall vollkommen und vermutet das Ordinärste in - seiner Hose, demzufolge sie ihn auch ganz verächtlich behandelt. Nachdem die Klarstellung erfolgt, dass hier eine Ladung Schrot im Spiele brennt, kommt schon die Feuerwehr anmarschiert zur Gratulation. Michl, der nun all sein Glück verloren sieht und obendrein noch seine Schuhe, zieht sich geschlagen zurück. Doch der Zufall meint es anders. Weitere komische Höhepunkte sind: Der Schrotschuss, der allen Gratulanten als ein Hexenschuss ausgelegt wird - das Verhalten dem Förster gegenüber, der die Schuhe mitbringt, ohne zu wissen, dass sie Michl gehören - die Gratulation des Oberförsters, der von seinem ersten Schrotempfang im weichen Rückenausgang erzählt - die Verlegenheit Michls - dann die Feststellung, dass die Schuhe Herrn Michl Schnaufer gehören - die Entdeckung der nassen Hose, die Gretl durch Unvorsichtigkeit zu Gesicht bringt - wie der Förster Anzeige erstatten will und Gretl ihn ins Verhör nimmt, weil er bei ihr Fensterln war und zum Beweis den Jägerhut, den er dabei verloren hat, aus der Tasche zieht - und wie zuletzt die Forellen und das Fensterln in der Familie bleiben
Theater 1986 - Das öffentliche Ärgernis
Theaterstück: Das öffentliche Ärgernis
von Franz Arnold
Lutz ist Helma verfallen. Allerdings soll sie einen adeligen und keinen kleinbürgerlichen Mann heiraten, wenn es nach ihrer Tante Ursula und ihrem Onkel Baldur geht. Um seinem Neffen die Heirat zu ermöglichen, nimmt Gustav Pietsch sein Herz und viel Geld in die Hand, arrangiert für Lutz dessen Adoption durch einen Grafen und kauft sich selbst zur Sicherheit noch den Titel eines Konsuls von Nigeria. Helmas Verwandte sind begeistert. Doch kaum schraubt Pietsch sein neues Namensschild samt Titel an die Haustür, da steht auch schon eine erste nigerianische Staatsbürgerin davor, die im zunehmenden Rassismus im Land eine diplomatische Vertretung und einen Schutzraum sucht.
Franz Arnold und Ernst Bach waren als Komödienautoren die Superstars der Berliner und deutschsprachigen Boulevardszene in den 1920er und 30er Jahren. »Das öffentliche Ärgernis« zeichnet sich durch lustvoll überspitzte Typen aus, die halsbrecherisch von einer Verwechslung ins nächste Missverständnis schlittern, dabei anmaßend tollkühn nach Hintertürchen aus ausweglosen Situationen suchen und sich mehr und mehr verstolpern. Aber auch überaus politisch setzt der Schwank die sich ändernde gesellschaftliche Situation im einst liberalen, hedonistischen Berlin, das zunehmend durch die nationalsozialistische Ideologie, Fremdenhass und Gewalt terrorisiert wird, in Szene.